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Kermit Berg

Arbeiten (Auswahl)

 

Künstleraussage zum Foto-Aufsatz ‘Fuxing Middle Road Dream’:

Die ehemalige französische Konzession in Shanghai ist ein architektonischer Überrest der französischen Besetzung der Stadt von 1849 bis 1943. Wenn man durch die Straßen am Abend von ‚Fuxing Middle Road‘ unter massiven knorrigen Ahornbäumen läuft, ersetzt man sich in einen traumhaften Ort, an dem zwei Jahrhunderte aufeinandertreffen.

Der Großteil dieser Architektur des späten 19. und besonders des frühen 20. Jahrhunderts wurde im 21. Jahrhundert brutal zerstört, wie es in anderen Stadtvierteln der Fall ist. Dort werden die Flachbauten, zwei- und dreistöckige Charme der ‚Shikomen Mansions‘, die den deutlichen Shanghai-Stil entsprechen, und die engen Familiengeschäfte im Erdgeschoss der ehemals gediegenen ‚Lane Houses‘, zerstört um die Wohnbedürfnisse der enormen chinesischen Mittelklasse zu erfüllen.

Dieses pulsierende Viertel mit seinen heruntergekommenen, aber intakten Straßenfassaden, eingezäunten Zufahrtswegen und gewundenen Gassen, die zu versteckten Türen führen, überlebt derzeit in einer Aura des Verderbens voller Vorahnungen und Geister einer verlorenen Epoche von Eleganz, architektonischer Würde und Zweckmäßigkeit.

In der Geschichte des urbanen Lebens geht es darum, abzureißen und aufzubauen … es geht um Träume. Wenn ich den Traum ausdehne, den ich hier in der ‚Fuxing Middle Road‘ gelebt habe, wird es wahrscheinlich in einem bitteren Erwachen enden. Ich verlasse Shanghai mit dieser visuellen Aussage, irgendwo zwischen Dokument und Traum.

Übersetzung aus dem Englischen von Jil Mandeng April 2018

PROJEKT DEUTSCHER BUNDESTAG 2015

K Berg schwarz rot gold

Orange Squares Layout 7in 100p JPG

REPLACING HOME

„REPLACING HOME“ (Zuhause ersetzen) startete Ende 2013 als Dokumentation von „allein zu sein“ im Vergleich mit „einsam zu sein“, in einem Zuhause das ersetzt wird durch ein unbekanntes fremdes Neues. Die intimen Interieurs sind in der Dämmerung aufgenommen, der Fotograf sieht durch die geschlossenen Fenster heraus, dies lässt die Szene draußen verschwimmen. Oder er sieht in den Raum mit einem Gefühl der Erinnerung. Die Werke sind aus drei oder vier einzelnen Fotos kombiniert. Diese erzählen Geschichten von einem Bild zum anderen, mit Objekten und Szenen wiederholend, in kleinen Veränderungen, in der Serien die Mnemonik-Hilfen sind,…Erinnerungen hervorholend von vergangenen Ereignissen in diesen Räumen, die wertvolle Geheimnisse bleiben. Geschichten bleiben das Einzige, das der Umziehende mit sich nimmt. Das ist eine sehr private, stimmungsvolle und fast voyeuristische Geschichtserzählung. Berg hat sich hier abgewandt von seinem Stil der kombinierten Fotos, für einen unentschuldigten direkten Ersatz von vertikalen Linien, die diesen Werken eine Film ähnliche Struktur geben. Nach einer Unterbrechung um die Einzelausstellung „Nuclear Family – Wohlstandstraum” für das Stadtmuseum Berlin in 2014 zu erstellen, beendete Berg die 14 teilige Serie „Replacing Home“.

BUDAPEST

Mit der Weltpremiere der vier Drucke von „Budapest” bringt uns Berg zurück zur Einzelbildfotografie. Nur 6 von geplanten 18 Arbeiten wurden verwirklicht. Berg fing den postsozialistischen Verfall in Bildern von regionalen Zügen und U-Bahnen ein.

Diese Bilder sind bemerkenswert für die Einbeziehung von Menschen, das für Berg sehr ungewöhnlich ist. Die ganze Zeit porträtiert er ein fast leeres Milleu das vor über 60 Jahren tausende jeden Tag willkommen hieß.

Die Fotos zeigen eine verfallenden Infrastruktur, die an gescheiterte Träume erinnern. Berg vermeidet Pathos hier, indem er dem Betrachter ein Porträt eines jungen Marathonläufers in der baufälligen U-Bahn gibt und eines vernarrten Mädchens, das darauf wartet das ihr Freund Tickets für einen Ausflug kauft. Diese Werke sind auf Sommerset 100 Prozent Archivalien rag Baumwolle gedruckt.

 

GLASS

Die Mappe, mit Titel “Glass”  ist von 2001 bis 2004 entstanden.  Berg bringt mit dem Bild „Double Rose (Berlin) 2012“ein neues Bild in seine Ausstellungsreihe „Glass“. Darin sind zwei Dachfenster von Berlin’s Mitte abbildet.
Sechs Bilder der Mappe „Glass” wurden in Großformat, wie jetzt im Café des Artistes zu sehen sind, für Bergs Retrospektive von Kurator Andreas Teltow; Abteilungsleiter Prof. Dr. Dominik Bartmann; und Direktor Dr. Franziska Nentwig ausgewählt  Zum ersten Mal ist die gesamte Mappe in Berlin zu sehen.
Der Künstler über die Mappe “Glass” 2001-2004 + 2012″
“Als ich die ersten 9 Bilder in der Mappe “Glass” veröffentlichte, wohnte ich in Chicago und Berlin.  Ein Jahr danach bin ich nach New York City umgezogen  und habe ein neues Atelier eingerichtet.  “Glass” war schon ein Erfolg gewesen und wurde sofort zur Photo New York , die Messe in Manhattan in der berühmten Metropolitan Galleries als der Beitrag der Lyons-Wier Gallery aufgenommen. Es ist mir persönlich eine große Freude  das Gesamtwerk in Berlin auszustellen.” Kermit Berg

Impressionen von der Ausstellungseröffnung von Kermit Berg – Glass